Wie Sie als Führungskraft echtes Vertrauen im Team aufbauen – mit einer einfachen Methode

Vertrauen fällt nicht vom Himmel. Es ist das Fundament, auf dem jede erfolgreiche Zusammenarbeit steht. Wenn sich die Menschen in Ihrem Team vertrauen, teilen sie ihre Ideen offener, gehen eher mal ein Risiko ein und unterstützen sich gegenseitig, wenn es brenzlig wird.

Aber wie entsteht dieses Vertrauen? Die Antwort ist simpel, erfordert im Alltag aber Konstanz: Vertrauen baut sich auf durch Kontakte, Kontakte, Kontakte. Und durch Klarheit. Nur wenn ich genau weiß, was von mir erwartet wird, und ich gleichzeitig meine eigenen Erwartungen frei äußern darf, kann eine verlässliche Basis wachsen.

Eine der besten Methoden, um genau das zu erreichen, ist die gegenseitige Erwartungsklärung. Diese können Sie entweder im Vieraugengespräch oder mit dem gesamten Team durchführen.

Und so gehen Sie in der Praxis vor:

Der Ablauf: So klären Sie Ihre Erwartungen

Für dieses gemeinsame Vorhaben besorgen Sie sich am besten ein paar große Flipchart-Blätter. Das hilft, die Gedanken direkt zu visualisieren und für alle sichtbar zu machen.

Schritt 1: Getrennte Vorbereitung
Das Team und Sie als Führungskraft ziehen sich zunächst kurz zurück und bringen unabhängig voneinander die Punkte zu Papier.

  • Das Team notiert:
    • Unsere Erwartungen an unsere Führungskraft sind…
    • Wir vermuten, dass unsere Führungskraft von uns erwartet, dass wir…
  • Die Führungskraft notiert parallel:
    • Meine Erwartungen an mein Team sind…
    • Ich vermute, mein Team erwartet von mir…

Schritt 2: Das Zusammenkommen und der Abgleich

Danach kommen Sie alle wieder an einen Tisch. Jetzt hängen Sie die Plakate nebeneinander auf. Die echten Erwartungen kommen jeweils direkt neben die vermuteten Erwartungen der Gegenseite.

Schritt 3: Die Diskussion

Jetzt geht es in den Austausch. Gehen Sie die Punkte gemeinsam durch und stellen Sie sich folgende Fragen:

  • Welche Vermutungen stimmen exakt mit den tatsächlichen Erwartungen überein?
  • Welche Erwartungen haben wir zwar vermutet, existieren in der Realität aber gar nicht?
  • Welche tatsächlichen Erwartungen kamen völlig überraschend und wurden vorher nicht vermutet?

Warum sich dieser Aufwand lohnt

Dieser Abgleich deckt Missverständnisse auf, bevor sie zu handfesten Konflikten werden. Er nimmt den Druck raus und schafft sofortige Erleichterung auf beiden Seiten. Mit diesen klaren Erkenntnissen im Gepäck gewinnen Sie die Sicherheit, die es für eine wirklich vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit braucht.

Fazit

Ein klares Fundament aus Vertrauen und offenen Erwartungen ist kein Luxus, sondern die Basis für den gemeinsamen Erfolg. Wenn Sie die Erwartungsklärung regelmäßig nutzen, schaffen Sie im Team genau die Sicherheit, die aus einer reinen Arbeitsgruppe eine starke und verlässliche Einheit macht. Der Aufwand ist gering – der Gewinn für die tägliche Zusammenarbeit unbezahlbar.

Möchten Sie eine Erwartungsklärung in Ihrem Team vorbereiten oder sich dazu austauschen?

Lassen Sie uns gemeinsam schauen, wie wir dieses Format optimal auf Ihre individuelle Teamsituation zuschneiden können. Kontaktieren Sie mich gerne für ein erstes Gespräch!

Ihre, Ingrid Gartner-Steffen

Der Hawthorne-Effekt: Warum Ihr Team anders arbeitet, wenn Sie hinsehen

Team of five collaborating around a table with laptops and documents in front of a whiteboard titled Project Innovate Q3

Geht die Leistung in Ihrem Team kurz nach oben, wenn Sie ein neues Tool einführen, Abläufe verändern oder ein Projekt enger begleiten? Oft liegt das gar nicht an der neuen Methode. Die Arbeitspsychologie kennt dafür seit fast 100 Jahren einen einfachen Grund: den Hawthorne-Effekt. Für Führungskräfte ist dieser Effekt hilfreich, da er zeigt, wie eng Leistung und Aufmerksamkeit zusammenhängen – und wo die Grenze zum Mikromanagement verläuft.

Woher kommt der Begriff?

Zwischen 1924 und 1932 untersuchten Forscher die Fabrik Hawthorne Works der Western Electric Company bei Chicago. Sie wollten wissen, ob besseres Licht die Arbeiterinnen produktiver macht.

Die Forscher trafen auf ein unerwartetes Phänomen: Die Leistung stieg fast immer – egal, ob das Licht heller oder dunkler gedreht wurde. Sogar als die Bedingungen wieder verschlechtert wurden, blieb die Produktivität hoch.

Es lag also nicht an der Technik, sondern schlicht an der Beachtung. Die Arbeiterinnen merkten, dass sie im Fokus standen und man sich für sie interessierte. Allein dieses Gefühl der Wertschätzung spornte sie an.

Kurz gesagt: Menschen verändern ihr Verhalten, sobald sie wissen, dass sie beobachtet oder besonders beachtet werden.

Wie sich der Effekt heute im Arbeitsalltag zeigt

Ob am Schreibtisch, in der Werkstatt oder an der Maschine: Unsere Psyche funktioniert überall gleich. Hier begegnet Ihnen der Effekt im Alltag:

  • Scheinaktivität und Präsentismus: Ob der schnelle Griff zum Werkzeug, sobald der Meister die Werkstatt betritt, oder die permanente Erreichbarkeit in Chat-Programmen im Homeoffice – Mitarbeiter verändern ihr Verhalten, um „gesehen“ zu werden. Das bringt selten bessere Ergebnisse, erzeugt aber Druck.
  • Das Strohfeuer bei neuen Projekten: Neue Prozesse, Maschinen oder Software-Tools starten oft stark. Das liegt meistens daran, dass das Management dem Team in dieser Phase mehr Aufmerksamkeit schenkt und häufiger nachfragt. Sobald die Routine einkehrt, sackt die Leistung oft wieder ab.
  • Mitarbeitergespräche und Feedback: Schon die Ankündigung von Feedback-Runden oder gemeinsamen Hallen-Rundgängen hebt kurzfristig die Motivation. Das Team merkt, dass die eigene Arbeit oben wahrgenommen wird.

Die Kehrseite: Wann es nach hinten losgeht

Aufmerksamkeit erhöht die Schlagzahl, taugt aber nicht als Dauerdruckmittel:

  • Der Effekt verpufft: Wenn Sie Ihren Fokus wieder abziehen und sich anderen Dingen widmen, flacht die Leistungskurve meistens wieder ab.
  • Kontrolle blockiert: Wenn Mitarbeiter das Gefühl bekommen, überwacht statt unterstützt zu werden, schlägt die Motivation in Frust um. Die Leute machen Dienst nach Vorschrift, machen Fehler aus Nervosität oder kündigen im schlimmsten Fall.

Drei Fragen für den Führungsalltag:

Leistung entsteht, wenn Mitarbeiter sich sicher und geschätzt fühlen. Nutzen Sie diese Erkenntnis für echte Unterstützung statt für Kontrolle und hinterfragen Sie Ihre eigene Routine mit diesen drei Punkten:

  • Suchen Sie das direkte Gespräch mit den Leuten vor Ort (im Betrieb oder virtuell), um Hürden im Alltag zu verstehen, anstatt nur Dashboards, Listen und KPIs zu überwachen?
  • Anerkennen Sie den Einsatz schon während der Arbeitsphase, um den Weg zum Ziel zu loben, oder erst beim fertig übergebenen Auftrag?
  • Setzen Sie auf feste Routinen wie regelmäßige Kurz-Meetings oder feste Runden durch die Abteilung, anstatt nur bei Krisen oder Fehlern plötzlich intensiv hinzusehen?

Der Hawthorne-Effekt zeigt, dass menschliche Zuwendung und aufrichtige Wertschätzung die stärksten Treiber für langfristige Motivation sind. Aufmerksamkeit als Unterstützung statt als Kontrolle stärkt das Vertrauen und sichert nachhaltige Ergebnisse im Team.

Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie besprechen möchten, was in Ihrem Team hilfreich wäre, um die Motivation zu fördern.

Ihre,

Ingrid Gartner-Steffen

Was Whistleblowing mit Vertrauen und Motivation zu tun hat

Vor gut drei Jahren habe ich einen Artikel geschrieben: „Whistleblower vs. Denunziant – Umgang mit Compliance-Regeln“. Damals stand die sogenannte Whistleblower-Richtlinie kurz vor der Umsetzung. Seit Juli 2023 ist sie nun Gesetz – und viele Unternehmen haben interne Meldesysteme eingeführt.

Heute, mit etwas Abstand, zeigt sich:
Ein funktionierendes Hinweisgebersystem ist weit mehr als eine rechtliche Pflicht.
Es ist ein Frühwarnsystem, ein Vertrauensanker – und oft der erste Schritt, um Konflikte konstruktiv anzugehen.

Mich beschäftigt dabei vor allem eines:
Wie verändert sich Unternehmenskultur, wenn Mitarbeitende den Mut haben, auf Missstände hinzuweisen – und das Unternehmen diesen Mut würdigt?

Whistleblowing ist kein Störfaktor, sondern ein Vertrauensbeweis.
Jede Meldung zeigt: „Ich glaube an dieses Unternehmen – und ich möchte, dass wir besser werden.“

Wenn Unternehmen Hinweise nicht als Bedrohung, sondern als Gelegenheit zur Verantwortung verstehen, entsteht eine Kultur, die Motivation stärkt und Compliance lebendig macht.
Denn letztlich geht es nicht um Kontrolle, sondern um Vertrauen, Fairness und Haltung.

Mein Fazit: Whistleblowing-Systeme sind mehr als gesetzliche Verpflichtungen – sie sind strategische Werkzeuge für Integrität, Zusammenarbeit und eine starke Unternehmenskultur.

🔗 Hier mein ursprünglicher Artikel von 2022:
https://gartner-steffen.blog/2022/02/17/whistleblower-vs-denunziant-umgang-mit-compliance-regeln/

🔗 Und hier die gesetzliche Grundlage im Bundesgesetzblatt:
https://www.recht.bund.de/eli/bund/bgbl-1/2023/140

Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie besprechen wollen wie es gelingt funktionierende Whistleblower Systeme in Ihrem Unternehmen einzuführen.

Ihre, Ingrid Gartner-Steffen

Riemann-Thomann-Modell: Teams besser verstehen

(nach Fritz Riemann und Christoph Thomann)

Wie heißt es so schön: „Keine/r ist auf der Welt, um so zu sein, wie andere ihn haben wollen“. Trotzdem ist es hilfreich zu wissen, wie das eigene Verhalten auf andere wirkt. Dann habe ich die Möglichkeit, mein Verhalten anzupassen – sofern ich eine andere Reaktion erreichen möchte – oder mich weiterhin „wie gewohnt“ zu verhalten, wenn die Resonanz für mich passt.

In jedem Team treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Arbeitsstile und Erwartungen aufeinander. Während die einen klare Strukturen und Verlässlichkeit schätzen, suchen andere vor allem Nähe, Austausch oder individuelle Freiräume.

Hier setzt das Riemann-Thomann-Modell an. Es beschreibt grundlegende menschliche Bedürfnisse und macht verständlich, warum Kolleg:innen in vergleichbaren Situationen ganz unterschiedlich reagieren. Das Modell zeigt, dass diese Unterschiede kein Hindernis, sondern eine wichtige Ressource für erfolgreiche Zusammenarbeit sein können – vorausgesetzt, sie werden erkannt und respektiert.

Die vier Grundausrichtungen

Das Modell stellt unterschiedliche Tendenzen im menschlichen Verhalten in einem Koordinatensystem mit zwei Achsen dar: Nähe vs. Distanz und Dauer vs. Wechsel. Jeder Mensch trägt alle vier Tendenzen in sich, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung.

  • Nähe vs. Distanz: Was dem Nähe-Menschen gut tut, empfindet der Distanz-Mensch oft als aufdringlich. Umgekehrt kann das Rückzugsbedürfnis des Distanz-Menschen vom Nähe-Menschen leicht als Ablehnung interpretiert werden.
  • Dauer vs. Wechsel: Was Dauer-Menschen als angenehm empfinden, kann auf Wechsel-Menschen starr wirken. Die Sprunghaftigkeit des Wechsel-Menschen wiederum kann den Dauer-Menschen schlicht stressen.

Die Typen im Detail

1. Der Nähe-Mensch

Ihm sind persönliche Kontakte wichtig. Er legt Wert auf Bindung, Vertrauen, Geborgenheit und Mitmenschlichkeit.

  • Stärken: Harmoniestreben, Bescheidenheit, Mitgefühl, soziale Interessen und Teamgeist.
  • Herausforderung: Er wirkt teils konfliktscheu, tendenziell anhänglich oder (übermäßig) rücksichtsvoll.

2. Der Distanz-Mensch

Er grenzt sich gerne ab, schätzt Individualität, Freiheit und den Intellekt.

  • Stärken: Eigenständigkeit, hohe Entscheidungsfähigkeit, Sachlichkeit und fachliche Orientierung.
  • Herausforderung: Er kann kontaktscheu oder unnahbar wirken und bittet ungern um Hilfe.

3. Der Dauer-Mensch

Er braucht Bestand, Zuverlässigkeit und Struktur. Er ist loyal und beharrlich in der Verfolgung von Zielen.

  • Stärken: Er ist verlässlich, systematisch, gründlich, verantwortungsbewusst und prinzipientreu.
  • Herausforderung: In Stresssituationen wirkt er mitunter unflexibel, sehr detailverliebt, starr oder kontrollierend.

4. Der Wechsel-Mensch

Er schätzt Abwechslung, Reize, Flexibilität und Temperament.

  • Stärken: Er ist neugierig, lebensbejahend, kreativ und lebt im Hier und Jetzt.
  • Herausforderung: Er kann unzuverlässig, unpünktlich oder chaotisch wirken und neigt dazu, bei Konflikten eher zu „flüchten“.

Praxistipp für Ihr Teammeeting

In einem Teammeeting lässt sich das Riemann-Thomann-Modell hervorragend nutzen, um Unterschiedlichkeiten wertschätzend sichtbar zu machen.

Das Vorgehen:

  1. Legen Sie Karten mit den vier Grundtendenzen auf den Boden.
  2. Bitten Sie alle Kolleg:innen, sich intuitiv einem Quadranten zuzuordnen.
  3. In Kleingruppen besprechen die Teilnehmenden: Was entspricht meiner Präferenz? Was brauche ich, um mich im Team wohlzufühlen? Welche meiner Eigenschaften könnten andere eventuell irritieren?
  4. Die Ergebnisse werden im Plenum vorgestellt, um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.

Fazit:
Das Wissen um diese Dynamiken trägt dazu bei, bewusster und wirksamer miteinander zu arbeiten. Es hilft dabei, die „Andersartigkeit“ der anderen nicht als Störung, sondern als Ergänzung zu begreifen und das Konfliktpotenzial im Team deutlich zu reduzieren.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Wenn Sie sich zu weiteren Teamentwicklungsmaßnahmen austauschen möchten, freue ich mich auf Ihre Kontaktaufnahme.

Ihre Ingrid Gartner-Steffen

Fair führen: Den Pygmalion*-Effekt nutzen und Bevorzugung vermeiden

Oft ein Thema in Führungscoachings: Wie gelingt es Führungskräften Mitarbeitende „fair“ zu behandeln?

Selbst den wohlmeinendsten Führungskräften wird es kaum gelingen allen Mitarbeitenden das gleiche Maß an Sympathie entgegen zu bringen. Sympathie lässt sich nicht verordnen. Was jedoch im Wertekanon einer Führungskraft enthalten sein sollte ist, dass unabhängig vom Sympathielevel es keine Bevorzugung oder Benachteiligung gibt.

Leicht gesagt, nicht immer leicht gemacht und allzu leicht kann es zu Überstrahlungen führen. Das führt dazu, dass sympathischen Mitarbeitenden Fehler eher verziehen werden als nicht so sympathischen. Suboptimale Ergebnisse sympathischer Mitarbeitender werden häufiger mit motivierenden Gedanken begleitet. Beispiele: „Jeder mach mal einen Fehler … komm versuch es noch mal, das schaffst Du schon…“. Suboptimale Ergebnisse der nicht so sympathischen Mitarbeitenden produzieren eher Gedanken wie: „Na, ja war ja eh nicht zu erwarten…“.

Diese Gedankenwelt war Grundlage der Rosenthal-Experimente (auch Rosenthal-Jacobson-Experiment) auch „Pygmalion-Theorie“ genannt.

Die Rosenthal-Experimente wurden Mitte der 1960er Jahre in den USA, hauptsächlich von den Psychologen Robert Rosenthal und seiner Kollegin Lenore Jacobson, an Grundschulen durchgeführt, um den Pygmalion-Effekt (Erwartungshaltung beeinflusst Leistung) zu beweisen; sie zeigten, dass Lehrkräfte, denen zufällig „besonders begabte“ Schüler zugeteilt wurden, tatsächlich bessere Leistungen bei diesen Schülern hervorriefen, obwohl die Zuteilung willkürlich war.

Ablauf der Studie: Lehrern wurde fälschlicherweise mitgeteilt, dass bestimmte Schüler (die tatsächlich zufällig ausgewählt worden waren) aufgrund eines neuen Tests ein erhöhtes Lernpotential aufweisen würden.

Ergebnis: Nach acht Monaten zeigten genau diese Kinder tatsächlich eine signifikant bessere Leistung als ihre Mitschüler, allein weil die Lehrer sie unbewusst durch ihre positive Erwartungshaltung anders gefördert hatten. Sie behandelten diese Kinder anders (Aufmerksamkeit, Feedback, Aufgabenwahl, Fördermaßnahmen).

1968 wurden die Ergebnisse der Studie erstmals veröffentlicht in dem heute noch erhältlichen Buch „Pygmalion in the Classroom“. 

Die Pygamlion-Theorie wirkt auch im Führungsalltag. Daher sollten sich Führungskräfte bewusst machen, dass ihr Verhalten, ihre Aufmerksamkeit und ihre Erwartungen einen direkten Einfluss auf Motivation und Leistung der Mitarbeitenden haben. Sie sollten hohe, aber realistische Erwartungen formulieren und Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeitenden zeigen, um den positiven Pygmalion-Effekt zu nutzen. Eine reflektierte Führung vermeidet dabei vorschnelle Urteile und negative Zuschreibungen.

Wer seinen Mitarbeitenden etwas zutraut, überträgt Verantwortung, setzt anspruchsvolle Ziele und bietet gleichzeitig Unterstützung an. Diese Haltung stärkt das Selbstvertrauen der Mitarbeitenden und motiviert sie, ihr Potenzial auszuschöpfen.

Umgekehrt können geringe oder negative Erwartungen dazu führen, dass Mitarbeitende weniger gefördert werden und ihr Potenzial nicht entfalten.

Führungskräfte sollten ihre Vorannahmen regelmäßig reflektieren. Eine Übung die hierbei hilft beschreibe ich als „Die Brille reinigen“. Hier ist die Aufforderung an die Führungskraft für einen definierten Zeitraum (eine Woche) ganz bewusst darauf zu achten, was Mitarbeitende die bei ihnen nicht „Top of the Hitparade“ sind gut machen.

Hierbei geht es nicht darum Lob zu verteilen, sondern um ein bewusstes Wahrnehmen guter Leistung (die bei nicht so sympathischen Mitarbeitenden schon mal untergehen kann).

Parallel dazu ist die Aufforderung für einen definierten Zeitraum (eine Woche) ganz bewusst darauf zu achten, was die Lieblingsmitarbeiter nicht ganz so gut machen.

Hierbei geht es nicht darum Kritik zu üben, sondern auch hier geht es um die bewusste Wahrnehmung der Leistung (da den Lieblingsmitarbeitern gerne etwas verziehen wird).

Die so sauber gewischte Brille fördert den fairen Umgang mit allen Mitarbeitenden und verhindert Bevorzugung oder Benachteiligung – und manchmal entstehen so überraschende Einsichten.

Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie sich zu Ihrer Führungssituation und zu Ihrem Umgang mit Ihren Mitarbeitenden austauschen möchten. Ich berate und unterstütze sie gerne und freue mich auf Ihre Nachricht.

Ihre, Ingrid Gartner-Steffen

* Der Begriff „Pygmalion“ stammt aus der griechischen Mythologie: Der Bildhauer Pygmalion verliebte sich in eine von ihm aus Elfenbein geschaffene Statue, die zum Leben erweckt wurde. Eine Form der selbsterfüllenden Prophezeiung.

Wann bin ich eine gute Führungskraft?

Eine Frage die mir in Coachings oft gestellt wird: Wann bin ich eine gute Führungskraft und was sind wichtige Qualitäten einer guten Führungskraft?

👂 Oft unterschätzt: Zuhören und zwar ganz besonders aktiv Zuhören.

Wenn Führungskräfte in Gesprächen wirklich zuhören – nicht unterbrechen, nicht vorschnell bewerten, nicht sofort lösen wollen – entsteht mehr als nur ein gutes Gespräch.

✨ Die Wirkung auf Mitarbeitende:

  • Sie fühlen sich ernst genommen und wertgeschätzt
  • Vertrauen wächst
  • Motivation und Eigenverantwortung steigen
  • Konflikte werden früher sichtbar
  • Lösungen werden gemeinsam getragen

🔍 Wie aktives Zuhören konkret aussieht:

➡️ Nachfragen statt annehmen

„Habe ich Sie richtig verstanden, dass …?“

➡️ Gefühle spiegeln

„Das klingt, als würde Sie die Situation sehr belasten.“

➡️ Zusammenfassen

„Wenn ich es zusammenfasse, sind Ihnen vor allem zwei Punkte wichtig …“

➡️ Pausen zulassen

Stille aushalten, damit Gedanken zu Ende geführt werden können.

➡️ Nicht sofort bewerten oder lösen

„Was würden Sie sich in dieser Situation wünschen?“

➡️ Aufmerksamkeit zeigen

Blickkontakt, offene Haltung, keine Ablenkung durch Laptop oder Handy.

🔑 Aktives Zuhören heißt nicht, allem zuzustimmen.

Es heißt zu verstehen, bevor entschieden wird.

Gerade in Zeiten von Veränderung, Unsicherheit und hoher Arbeitsbelastung ist Zuhören kein „Soft Skill“, sondern ein klarer Erfolgsfaktor für Führung.

👉 Gute Führung beginnt mit einem offenen Ohr.

Kontaktieren Sie mich gerne, wenn Sie besprechen möchten wie genau aktives Zuhören funktioniert und was Sie als Führungskraft tun können um von Ihren Mitarbeitenden als „gute Führungskraft“ wahrgenommen zu werden.

Ich freue mich auf Ihre Nachricht.

Ihre, Ingrid Gartner-Steffen

Delegieren lernen – Weniger Unterbrechungen, mehr Fokus

Kennen Sie die Situation, dass bei Ihnen scheinbar immer mehr Arbeit landet während Andere recht regelmäßig genüsslich in den Feierabend starten können? Ein Grund dafür könnte sein, dass Sie zu viele „Affenwanderungen“ zulassen.

Die Autoren Blanchard, Onken und Burrows beschreiben „Affenwanderungen“ in Ihrem erstmals 2002 im Rowohlt Verlag veröffentlichten Buch „Der Minuten Manager und der Klammer-Affe. Wie man lernt, sich nicht zuviel aufzuhalsen.“ Der Titel wird seither laufend aktualisiert.

Wenn es Ihnen auch hin und wieder passiert, dass ein Kollege / ein Mitarbeiter Sie mit einer Frage konfrontiert, bei der Ihnen durch den Kopf geht „diese Frage habe ich ihm doch schon mehrfach beantwortet“ oder „die Frage sollte sie sich selbst beantworten können“ dann ist es Zeit über „Affenwanderungen“ nachzudenken.

Beispiele für Fragen die eine Affenwanderung nach sich ziehen können sind:

„Wo finde ich denn… „ / „Wie geht denn …“ /“ Was mache ich denn in diesem Fall …“ / „Kannst Du mir sagen wo … wie … wann…“ / „Sag mir doch noch mal..“.

Wenn dann die Antwort nicht aus dem Hut gezogen werden kann ist eine häufige Reaktion, dass sich der so Angesprochene mit dem Hinweis verabschiedet „ich kümmere mich drum“. Und das obwohl die eigene To-Do Liste schon voll genug ist.

Wie können Sie eine „Affenwanderung“ verhindern?

Oncken und Wass vergleichen Projekte / Arbeitsthemen mit Affen, welche Mitarbeitenden zwecks Fütterung, Pflege, Aufzucht und ggf. zum Wiedereingliedern in die Wildnis anvertraut sind.

Jeder Mensch kann nur eine bestimmte Anzahl von Affen gut betreuen. Wenn die Affenherde zu groß wird, magern die einzelnen Affen ab, fallen ins Koma, und im schlimmsten Fall versterben sie.

Das Problem vieler ist, dass manche Affen von der Schulter des betreuenden Kollegen springen und sich unvermutet wieder im Stall eines anderen Kollegen befinden und von ihm/ihr gefüttert und gepflegt werden wollen – obwohl sie doch in einen ganz anderen Stall gehören. Die Herde des einen Kollegen wird immer größer, der Stall immer enger – und im Nebenstall langweilen sich die Affen und werden immer fetter. Also stellt sich die Frage: Welche Reaktion stellt sicher, dass der Affe seinem rechtmäßigen Besitzer erhalten bleibt?

Onckens Regeln für das Affen-Management

Führungskraft und Mitarbeitende sowie KollegInnen untereinander müssen solange miteinander sprechen, bis jeder Affe seine Grundausstattung hat:

Regel 1 – Definition: Die nächsten Schritte werden festgelegt

Regel 2 – Einen Besitzer: Der Affe wird einem Kollegen zugeteilt

Regel 3 – Versicherungspolicen: Das Risiko wird abgedeckt (entweder Vorschlagen und dann handeln oder Handeln und dann informieren)

Regel 4 – Futter und  Untersuchungstermine:  Zeit und Ort für eine Nachuntersuchung werden  bestimmt

Trotz dieser „Regeln“ kann es im Arbeitsalltag immer mal wieder zu einer Affenwanderung kommen – wie lässt sich diese verhindern?

Ein Tipp: Sobald Sie die im Beispiel genannten Fragen hören sollten Sie nicht nur den / die KollegIn vor sich sehen, sondern stellen Sie sich vor, dass diese/r KollegIn einen Affen auf seiner Schulter sitzen hat.

In dem Moment, in dem der Kollege die Frage stellt sollten Sie sehen, wie der Affe ein Beinchen hebt (nicht wie ein Hund, sondern um auf Ihre Schulter zu springen).

Nun liegt es an Ihnen … erlauben Sie den Sprung, nehmen den Affen mit und integrieren Sie diesen in den eh schon zu vollen Stall oder sorgen Sie durch Ihre Reaktion dafür, dass der Affe da bleibt wo er hingehört (auf der Schulter des Kollegen).

Dies erreichen Sie indem Sie sich die Antwort „ich kümmere mich darum“ verkneifen und eine Rückfrage stellen. Also z.B. „wie könntest Du Dir ein Vorgehen vorstellen“, „wo denkst Du könntest Du den Vorgang finden“.

Klingt unkollegial? Sollte es nicht, denn durch diese Art der Fragestellung unterstützen Sie die KollegInnen dabei selbstständig zu arbeiten und Sie selbst werden weniger häufig mit Fragen unterbrochen, die sich Kollegen selbst beantworten können bzw. die Sie schon mehrmals beantwortet haben – so haben Sie dann auch genügend Zeit um sich sorgsam um die eigenen Affen zu kümmern.

Sollten Sie Fragen zum „Affen-Management“ oder zu anderen Fragestellungen aus dem Bereich des Zeitmanagement und zu wirkungsvoller Delegation haben melden Sie sich gerne bei mir – und lassen Sie uns besprechen welche Vorgehensweisen Ihr Zeitmanagement und Ihre Arbeitsorganisation unterstützen.

Ihre, Ingrid Gartner-Steffen

Erfolgreiche Teamarbeit: Auswirkungen ähnlicher und unterschiedlicher Persönlichkeiten erkennen und nutzen

Menschen mit ähnlichen Eigenschaften, Interessen, Hintergrund oder Überzeugungen neigen dazu, sich anzuziehen und Zeit miteinander zu verbringen. Gleichzeitig können sich Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften oder Interessen gegenseitig ergänzen und eine Anziehungskraft ausüben, die auf der Faszination für das Fremde oder auf dem Wunsch nach Herausforderung beruht.

Kolleginnen und Kollegen kann man sich in der Regel nicht aussuchen. Wenn mir ein Kollege „suspekt“ ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, den Kontakt zu vermeiden. Dabei sind es Kontakte, die helfen, Verständnis für die Andersartigkeit anderer zu entwickeln – und ggf. festzustellen: „Der/die ist ja ganz nett.“

Hier stelle ich eine Übung vor, die Teams dabei unterstützt, genau das zu tun: herauszufinden, wie der / die Kollege „tickt“ und Verständnis für dessen Präferenzen und Vermeidungsbereiche zu entwickeln – diese können ähneln oder ganz anders sein. Beides ist ok, und diese zu kennen fördert die kollegiale Zusammenarbeit.

Nicht jeder fühlt sich wohl dabei, im Kollegenkreis über persönliche Stärken, Vorlieben, Schwächen und Vermeidungsbereiche zu sprechen. Die folgende Übung bietet eine niedrigschwellige Möglichkeit sich hierzu auszutauschen – und dabei Spaß zu haben.

So geht’s:

  1. Schritt: Laden Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen ein, sich zu entscheiden, mit welchem der drei Tiere sie am meisten gemeinsam haben – mit einer Eule, einem Löwen oder einem Bernhardiner. Es geht nicht um eine „Verwissenschaftlichung“ von Persönlichkeitsprofilen, sondern um einen humorvollen Austausch.
  2. Schritt: Jede/r geht zu dem Flipchart mit „seinem“ Tier. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen, die sich für das gleiche Tier entschieden haben, folgt nun ein Brainstorming zu den Eigenschaften, die alle mit dem Tier verbinden.

Beispiele:

  • Die Eule wird oft als distanziert, planvoll, vorsichtig bezeichnet.
  • Der Bernhardiner gilt als vertrauensvoll, fürsorglich, hilfsbereit.
  • Dem Löwen wird zugeschrieben, selbstsicher, entscheidungsfreudig, leistungsorientiert zu sein.

  • 3. Schritt: Nachdem das Brainstorming zum eigenen Tier abgeschlossen ist, gehen die Gruppen zu den jeweiligen anderen Profilen und nehmen Ergänzungen vor.
  1. Nun bearbeiten die Gruppen ihr Profil, besprechen, welche Eigenschaften sie an sich selbst kennen, und erstellen ein Flipchart mit den bedeutsamsten Stärken. Dabei überlegen sie, wie diese Stärken wirken könnten, wenn sie übertrieben werden.

Beispiele:

  • Die Stärke des Bernhardiners, gefühlvoll und fürsorglich zu sein, wird zur Schwäche, wenn sie so stark ist, dass sie erdrückend wirkt.
  • Die Organisationsstärke eines Löwen wird zur Schwäche, wenn sie zu ständiger Kontrolle führt.
  • Die Ordentlichkeit einer Eule kann zur Schwäche werden, wenn sie zwanghaft wird.

Die entstandenen Übersichten stellen die Gruppen dann im Plenum vor und besprechen, welche Stärken im Team besonders hilfreich sind und bei welchen Übertreibungen es sinnvoll wäre, sich zurückzuhalten. So ergibt sich idealerweise ein breiter Stärkenpool aus den Profilen.

Die Vorteile eines Menschen sind stets auch seine Nachteile.“ Simone Veil (1927–2017)

Wenn Sie sich zu Persönlichkeitsprofilen oder der Zusammenarbeit im Team austauschen möchten, freue ich mich über Ihre Nachricht.

Ihre, Ingrid Gartner-Steffen

Führungskräfte und psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Führungskräfte sind heute häufiger damit konfrontiert, dass Mitarbeitende unter Stress oder persönlichen Krisen leiden, die sie mit zum Arbeitsplatz bringen. Das wirkt sich negativ auf ihr Wohlbefinden und ihre Leistungsfähigkeit aus. Wo beginnt und endet Ihre Verantwortung? Was bedeutet Fürsorgepflicht, und wo besteht die Gefahr, übergriffig oder bedrängend wahrgenommen zu werden?

Auf der einen Seite stehen Unternehmen vor der Herausforderung, wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben, und gleichzeitig tragen sie Verantwortung für die mentale Gesundheit ihrer Belegschaft. Viele Führungskräfte fühlen sich überfordert, wenn Mitarbeitende oder Kolleginnen und Kollegen sichtbar in einer Krise stecken oder sich mit einer psychischen Diagnose am Arbeitsplatz öffnen. Was darf angesprochen werden, und wie gehen Sie am besten damit um? Was kann helfen? Welche Rolle spielt der Arbeitgeber, und wie sollten Sie als Führungskraft reagieren?

Gerne beschreibe ich hier im Mental Health First Aid Programm (MHFA) https://www.mhfa-ersthelfer.de/de/ erläuterte Vorgehensweisen, die hilfreich sind, um Mitarbeitenden in psychischen Belastungssituationen beizustehen. Es geht nicht um therapeutische Behandlungen oder langfristige Beratungen. Vielmehr geht es darum, sich als erste Anlaufstelle für Mitarbeitende und Kolleginnen bzw. Kollegen in Krisensituationen zu verstehen. Ähnlich wie ein betrieblich­er Ersthelfer bei körperlichen Notfällen geht es darum, emotionale Stabilität herzustellen und Betroffene an weiterführende Hilfsangebote zu vermitteln.

Wie erkenne ich eine psychische Belastungssituation, und wie reagiere ich adäquat?

Erkennen von Anzeichen psychischer Belastung => Sensibilisierung für Stresssymptome, Burnout oder emotionale Erschöpfung.

Angebot eines vertraulichen Gesprächs => Zuhören, ohne zu werten, emotionale Unterstützung anbieten.

Vermittlung professioneller Hilfe => Weiterleitung an betriebliche oder externe Beratungsstellen.

Deeskalation in akuten Krisen => Unterstützung bei emotionalen Ausnahmesituationen.

Aufklärungsarbeit im Unternehmen => Offenen Umgang mit psychischer Gesundheit fördern.

Begleitung von Mitarbeitenden in herausfordernden Phasen=> Als Führungskraft als Ansprechperson fungieren.

Das ROGER-Prinzip beschreibt einen Handlungsplan, wenn psychische Belastungen bei Mitarbeitenden / KollegInnen erkennbar sind:

R eagieren: begegnen, bewerten, beistehen

O ffen und unvoreingenommen zuhören und kommunizieren

G ib Unterstützung und Information

E rmutige zu professioneller Hilfe

R eaktiviere Ressourcen

Wenn Sie sich zu Unterstützungsmöglichkeiten für Mitarbeitende austauschen oder als Führungskraft angemessen auf psychische Belastungen reagieren möchten, freue ich mich auf Ihre Rückmeldung.

Hinweis: Ich unterstütze Klientinnen und Klienten dabei, praxisnahe Handlungsanregungen zu entwickeln und ihr Verhaltensrepertoire zu erweitern, um Herausforderungen sicher zu bewältigen.

In Konfliktberatungen / Mediationen unterstütze ich zerstrittene Teams und Personen dabei, die Arbeitsfähigkeit wieder herzustellen.

Kontaktieren Sie mich gerne um Ihr Anliegen zu besprechen.

Ihre, Ingrid Gartner-Steffen

Ersthelfer für psychische Gesundheit: Warum es wichtig ist

Gerne berichte ich heute über „Erste Hilfe“ bei psychischen Problemen und den Einsatz von Ersthelfenden.

Auf das Programm, in dessen Rahmen Ersthelfende ausgebildet werden um kompetent erste Hilfe zu leisten und Menschen die Anzeichen einer psychischen Störung zeigen zu unterstützen, wurde ich aufmerksam durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in der Konflikthotline des Bundesverband MEDIATION e.V.

Der BM ermöglicht uns Ehrenamtlichen die Teilnahme an einem Kurs als Ersthelfer für psychische Gesundheit (Mental Health First Aid MHFA). Eingeführt wurde das Programm in Deutschland von Prof. Dr. Michael Deutschle. Prof. Deutschle ist Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Von den Inhalten des MHFA-Kurses profitieren nicht nur die Anrufer der Konflikthotline sondern auch in meinen Coachings und bei Konfliktberatungen ist es hilfreich Kenntnisse in MHFA zu haben. Bei Fragen wie: „Ich habe den Eindruck ein Mitarbeiter wirkt plötzlich manisch“ oder „was tu ich, wenn die Freundin / Kollege scheinbar zu viel trinkt“ bietet das MHFA Programm hilfreiche Handlungsanregungen.

Gerade am Arbeitsplatz können entstehende psychische Gesundheitsprobleme durch den Einsatz von MHFA Ersthelfenden frühzeitig erkannt werden. Durch kompetente Erste Hilfe für psychische Gesundheit können Betroffene schneller angemessene Unterstützung erhalten. Personalausfälle mit langen Fehlzeiten und hohen Folgekosten können so vermieden werden.

MHFA verfügt international über 25 Jahre Erfahrung in der Ausbildung von Ersthelfenden für psychische Gesundheit. Das Konzept der MHFA Ersthelfer-Kurse basiert auf wissenschaftlicher Evidenz und ist wiederholt in internationalen Studien überprüft worden.

Laut TK Gesundheitsreport 2024 belegen psychische Erkrankungen 2023 den zweiten Rang der Krankheitsfehltage. Die durchschnittliche Dauer eines einzelnen Krankheitsfalls bei psychischen Störungen betrug 40 Tage (Männer 41 Tage, Frauen 40 Tage) – Grund genug, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Was halten Sie davon?

Quellen:

TK-Gesundheitsreport: https://share.google/xWSiFywRqFRbER57x

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim: MHFA Ersthelfer, Kurse für psychische Gesundheit. Online: https://www.mhfa-ersthelfer.de/… 

Morgan A, Ross A, Reavley N: Systematic review and meta-analysis of Mental Health First Aid training, Effects on knowledge, stigma, and helping behaviour. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/

Bundesministerium für Gesundheit: Untersuchung zur Wirksamkeit einer Informationskampagne in den sozialen Medien zur Prävention psychischer Erkrankungen junger Erwachsener durch Wissensvermittlung und Sensibilisierung. https://www.bundesgesundheitsministerium.de