Wie wir mit Angst und schwierigen Phasen umgehen, ist so unterschiedlich wie wir Menschen selbst.
Einige reagieren auf Krisen mit Trotz („Jetzt erst recht!“), andere mit Resignation („Es hat doch eh alles keinen Sinn mehr“). Wieder andere bleiben erstaunlich gelassen und vertrauen darauf, dass sich eine Lösung finden wird.
Ein Großteil von uns reagiert zumindest zeitweise mit Angst. Das ist völlig normal und biologisch sinnvoll. Angst warnt uns vor Gefahren und sichert unser Überleben. Gefährlich wird es erst, wenn die Angst überhandnimmt, uns blockiert und in eine innere Starre oder Panik führt. Denn in diesem Zustand sind wir nicht mehr handlungsfähig.
Wie Angst im Kopf entsteht
Angst beginnt fast immer mit einem Gedanken. Ein katastrophales Zukunftsszenario schleicht sich ein, erzeugt ein beklemmendes Gefühl im Körper und führt am Ende dazu, dass wir blockieren oder falsch reagieren.
Genau hier liegt die Chance: Wir können unsere eigenen Denkmuster und Bewertungen hinterfragen. Es geht ausdrücklich nicht darum, die Realität rosarot zu färben oder Probleme kleinzureden. Es geht um einen ehrlichen Realitätscheck.
Oft führt dieser Check dazu, eine Situation sachlicher zu bewerten. Das verändert das anschließende Gefühl – und wir bleiben handlungsfähig, statt starr vor Angst zu sein.
Es gilt das einfache Prinzip: Unsere Gedanken steuern unsere Gefühle. Bewerten wir eine Situation als bedrohlich, entsteht Angst. Bewerten wir sie neutral oder als lösbare Herausforderung, bleiben wir ruhig und handlungsfähig.
Vier Fragen gegen die aufkommende Panik
Wenn Sie merken, dass die Angst die Kontrolle übernimmt, helfen diese Fragen:
- Habe ich eine ähnliche Situation schon einmal gemeistert? Das Wissen um vergangene Erfolge gibt Halt für die Gegenwart.
- Auf einer Skala von 0 (keine Bedrohung) bis 10 (maximale Katastrophe): Wo steht das Problem wirklich? Das rückt die Dimensionen gerade.
- Wie würden Außenstehende die Situation einschätzen? Ein bewusster Perspektivwechsel nimmt oft die Schärfe aus den Gedanken.
- Gibt es einen Lerneffekt? Selbst in schwierigen Phasen steckt oft eine wertvolle Erfahrung für die Zukunft.
Den Fokus verändern: Weg von der Blockade, hin zum Ziel
Wer stundenlang nur auf das Problem starrt, verstärkt das Angstgefühl. Auch hier hilft kein Wunschdenken, sondern der Fokus auf die Lösung. Fragen Sie sich nicht permanent, was alles schiefgehen könnte. Formulieren Sie stattdessen ein klares Ziel: Wo will ich hin? Wie sieht der Idealzustand aus? Das Gehirn folgt der Richtung, die wir ihm vorgeben.
Lampenfieber – die kleine Schwester der Angst
Ein typisches Beispiel aus dem Alltag ist das Lampenfieber. Auch hier sorgt der Körper für Herzklopfen und feuchte Hände. Doch hier lohnt sich ein genauerer Blick: Die Nervosität vor einem Auftritt oder einem schwierigen Gespräch ist ein hochaktives Gefühl. Sie sorgt dafür, dass wir bis in die Fingerspitzen wach, fokussiert und motiviert sind. Lampenfieber sichert oft erst die Bestleistung.
Unangenehm wird es auch hier erst durch die Übertreibung. Tagelange schlaflose Nächte blockieren uns, statt uns anzuspornen.
Was dagegen hilft? Neben dem bewussten Realitätscheck gibt es hier ein einfaches Rezept: Vorbereitung und Routine. Wer die Situation im Vorfeld immer wieder durchgeht, übt und sich der Herausforderung stellt, verwandelt das lähmende Lampenfieber Schritt für Schritt in eine gesunde, produktive Routine.
Ein kleiner Tipp für den Alltag
Beenden Sie den Tag mit einem kurzen Rückblick auf die guten Momente. Das lenkt den Fokus weg von den Sorgen und hin zur Lebensqualität.
Dazu gehören die kleinen Dinge:
- Ein unerwartetes Lächeln von jemandem auf der Straße.
- Die Hummel auf der Balkonpflanze.
- Ein wärmender Sonnenstrahl im Gesicht.
- Das Lieblingslied, das zufällig im Radio lief.
- Ein tiefer Atemzug bei einem Spaziergang.
Am Ende geht es genau darum: Das Leben in all seinen Höhen und Tiefen bewusst zu erleben und handlungsfähig zu bleiben – auch wenn die Umstände uns manchmal einschränken.
Lassen Sie uns gemeinsam hinschauen
Stecken Sie gerade in einer schwierigen Phase oder stehen vor einer beruflichen Herausforderung? Manchmal hilft ein Blick von außen. Schreiben Sie mir eine kurze E-Mail – wir können uns ganz unkompliziert per Video-Call austauschen.
Ihre,
Ingrid Gartner-Steffen

